Schulsport beim HTTV

Beginnen wir doch mit den positiven Entwicklungen. Erfreulich ist, dass endlich die Position des Ressortleiters Schulsport wieder besetzt worden ist. Jahrelang verlinkte die HTTV-Homepage auf eine leere Seite, dokumentierte damit in meinen Augen auch die Wertigkeit von Schulsport im HTTV. Jetzt steht dort glücklicherweise wieder ein Name und vielleicht auch eine Idee. Leider führt dann die Seite Schulsport mit dem Unterpunkt TT in der Schule wieder in die Tristesse. Ein link auf eine Typo3 „Page not found“ Seite, eine Bewerbungs-Pdf und ein Antragsformular von 2014 zeugen nicht gerade von Aktualität. In diesem Zusammenhang sollte man auch über die Aktualität der Seite „Ran an die Platte“ nachdenken. Hier ist der aktuellste Artikel von 2012!

Jetzt aber zum Schulsport in Hessen. Ich begrüße ausdrücklich die AG-Initiative, die vom HTTV gefördert wird. Leider begrenzt diese Initiative ihre Aktion auf die Grundschulen. Mir erschließt es sich nicht, warum nicht auch die weiterführenden Schulen in ein Förderkonzept eingebunden werden. Auch die Begrenzung auf 6 bis 10 Wochen geht an der Schulrealität vorbei. Schulen planen im Halbjahresrhythmus und auch daran sollten sich die offerierten AGs orientieren.

Ich habe mir im Vorfeld der Diskussion um neue Ideen im Schulsport einmal das schulische und das verbandsmäßige Umfeld angesehen.   Dabei haben sich folgende Strukturen gezeigt:

Um effektiv TT in den Hessischen Schulsport zu verankern, muss man sich die Strukturen des Hessischen Schulsystems zu nutzen machen und daraus Synergieeffekte erzielen. Ich habe deshalb die beiden unterschiedlichen Aufbauten in die Idee eines zweigeteilten Systems (bottom-up, top-down) überführt. Unterscheiden muss man dabei auch, dass Schulen AG-Leiter  und auch intensiv Sportlehrer für den  Sportunterricht suchen. Diese Aussage korrespondiert auch mit einem Brief des Hessischen Kultusministers vom 28.09.2017 an die Schulen in Hessen. In diesem Brief wird darauf hingewiesen, dass ungefähr jede vierte Sportstunde ausfällt; dies entspricht rund 5700 Wochenstunden. Inhaltlich wird auch auf die Kampagne „Sport bildet und bewegt – in Schule und Verein“ des Landessportbundes verwiesen, in deren Rahmen das Projekt „Tägliche Sportstunde“ durchgeführt wird. Auch hier ergibt sich einen direkten Ansatz für die Implementierung von Tischtennis in die Regelschulen.

Primärer Ansatz für das Modell ist, dass das gesamte Hessische Schulsystem an der Schulsportinitiative partizipiert und nicht nur die Grundschulen. Eine Begründung dafür gebe ich am Ende.

 

Hier eine kurze Beschreibung der Idee, die ich übrigens auch dem HTTV schon vor einiger Zeit übermittelt habe.

Bottom-up (AG): Eine Schule sucht einen AG-Leiter oder einen Sportlehrer. Sie wendet sich an die Koordinierungsstelle Schulsport beim HTTV und erhält dann die notwendigen Informationen und den Verein genannt, der die Kooperation unterstützt.

Top-down: Die Koordinierungsstelle setzt sich mit den Einrichtungen des Kultus (Referat Schulsport, Schulsportkoordinatoren, Arbeitskreis Schulsport, Schulsportleiter) in Verbindung und bietet Schnupperangebote in Kooperation mit den umliegenden Vereinen an.

Warum bin ich auf diesen Aufbau gekommen? Ich bin Stellv. Schulleiter an einer großen Berufsschule und ständig auf der Suche nach Möglichkeiten Unterricht, gerade Sportunterricht, Sport-AGs, in das Unterrichtsgeschehen zu integrieren. Und hier wäre eine zentrale Ansprechstelle beim HTTV, die mir die benötigten Ressourcen zur Verfügung stellen kann, eine hilfreiche Einrichtung. Einfach mal darüber nachdenken beim HTTV.

Jetzt aber zu meiner Kritik an der Fixierung auf die Grundschule. Auf dem letzten Workshop im Dezember 2016 stellte Andreas Hain als neuer HTTV-Präsident  seine Vorstellung von der Neuorientierung des HTTVs vor. Neben interessanten und durchaus nachvollziehbaren Reformen fiel aber ins Auge, dass der „Hainsche-Fokus“ auf den Leistungssport gerichtet ist  und dieser mehr finanzielle Unterstützung erhalten soll. Dies geht  aber zur Kosten des Breitensports und der „kleinen“ Vereine, denn diese müssen die entstehenden Kosten aufbringen.

Um dieser Fixierung auf reinen Leistungssport entgegenzuwirken halte ich die Ausweitung der Schulsport-Initiative auf die weiterführenden, höheren Schulen für notwendig. Vielleicht erreiche ich damit nicht die Toptalente, die irgendwann Timo Boll ersetzen können, ich erreiche aber vielleicht Spielerinnen und Spieler die Lust am Tischtennis  und dann den Weg zu den ansässigen Vereinen finden.  Und jeder TT-Verein ist in der momentan sehr angespannten Spielerlage über jeden 15-jährigen dankbar, der den Weg zum TT-Spielen findet. Und für diese Vereine reicht es auch, wenn seine Entwicklung auf Bezirksebene endet und er über Jahre dem TT-Sport nachgeht.

Und um es noch klarer auszudrücken, für mich erfüllt ein kleiner Verein mit  Jugendarbeit und zwei Mannschaften im unteren Ligabereich eine größere gesellschaftliche Aufgabe als ein Verein aus einer oberen Liga, der zum Wochenende vier Spieler aus Prag kommen lässt.

Diethelm Göbeler
Tischtennis-Kreiswart Wetteraukreis
Am Pfingstborn 24
61239 Ober-Mörlen
kw@tt-wetterau.de